Transport im Westerwald und Siegerland
Betrachtet man heute das weit verzweigte Verkehrswegenetz des Westerwaldes und der angrenzenden Gebiete an der Sieg und an der Lahn, so muss man sich bewusst werden, dass diese Routen aus ganz unterschiedlichen Interessen heraus entstanden sind.
Heute nutzen wir täglich ein gut ausgebautes Straßensystem um beispielsweise zur Arbeit zu gelangen, unsere Einkäufe zu erledigen oder einfach unsere Freizeit zu gestalten. Der Westerwald verfügt zudem über ein weit gespanntes Eisenbahnnetz. Diese Trassen folgen meist den großen Flusstälern und werden überwiegend für den Personennahverkehr genutzt. Ein ausgeprägter Güterverkehr findet nur noch auf den Hauptstrecken statt.
Die Geschichte dieser heute als selbstverständlich wahrgenommenen Verkehrswege ist hingegen vielfältig und reicht nicht selten Jahrhunderte zurück.
Im Folgenden sollen die unterschiedlichen Entstehungsgeschichten angesprochen und ein Überblick zur Orientierung gegeben werden. Verlinkungen führen auf die zahlreichen Einzelartikel oder verweisen auf Literatur und Beiträge in diesem Portal, die viele wissenswerte und tiefergehende Informationen bereithalten. Der folgende Beitrag ist als beispielhafte Auflistung zu verstehen und erhebt daher auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Diese ist bei einem so komplexten und Jahrunderte überspannenden Thema auch sicher nur schwer zu erreichen.
Was wurde überhaupt transportiert?
Betrachtet man Transport im Kontext der jüngeren Menschheitsgeschichte, so muss man auch auf die unterschiedlichen Motivationen achten, die hier zu Grunde lagen.
Der Warenhandel ist eine häufige Motivation für Transport. Die reichen Bodenschätze des Westerwaldes boten schon früh eine gute Grundlage für die Herstellung gefragter und auch wertvoller Produkte, die in der Region und darüber hinaus gehandelt wurden.
Mit der wirtschaftlichen Entwicklung, oft bedingt durch technische Neuerungen, nahm auch der Warenhandel zu. Dies führte zum Ausbau von Verkehrswegen.
Transport war aber auch strategisch bedeutend. Schon früh wurden Handelswege mit militärischen Einrichtungen wie befestigten Handelposten oder Burganlagen abgesichert. Diese Sicherheit konnten sich die Landesfürsten durch Zoll bezahlen lassen, wordurch der Warenhandel, bzw. der Schutz desselben, zu einer Einnahmequelle wurden. Zahlreiche Burganlagen im Westerwald dienten diesem Zweck. Gute Verkehrswege waren auch für die Verlegung von Soldaten und Truppen bedeutend.
Mit dem militärischen Fortschritt wuchs der Bedarf an neuen Verkehrswegen. Gewaltige Heere und schwere Waffen mussten durch die Region transportiert werden - in einem mit engen Tälern durchzogenen Mittelgebirge war dies keine leichte Aufgabe.
Die Anfänge des Transportwesens im Westewald und Siegerland
Der frühe Warenhandel
Bereits in der frühen Eisenzeit war der Westerwald berühmt für seine Eisenprodukte. Im Giebelwald an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen finden sich noch heute die Spuren der Rennöfen, in denen vor mehr als 2.500 Jahren das Eisenerz zu hochwertigen Stählen geschmolzen wurde. Im kleine Museum im Gerhardsseifen bei Kirchen an der Sieg kann man die Relikte dieser Lehmöfen besuchen.
Der Ruhm des westerwälder und siegerländer Eisens ging wahrscheinlich mit dem Handel in andere Regionen einher und dieser erfolgte über Transportrouten.
Die ersten strategischen Verkehrsachsen
Im ersten Jahrhundert vor Christus lebten im westlichen Westerwald und im Neuwieder Becken der Stamm der Ubier. Von Norden her wurden diese jedoch vom Volk der Sueben bedrängt. Die Ubier baten die befreundeten Römer um Hilfe gegen den Widersacher. Im Jahr 55 v. Chr. erreichte Julisu Caesar den Rhein und lies beim heutigen Ort Urmitz eine hölzerne Rheinbrücke errichten.
Die Standortwahl für die Flussquerung hatte topografische Gründe. Nach Süden hin, ab Koblenz, wird das Rheintal eng und hohe Felsklippen machen das Überqueren für ein großes Heer unmöglich. Auch nach Norden, ab Andernach, rücken die Schieferfelsen nah an das Rheinufer heran und bieten erst bei Siegburg wieder genügend Raum zum Übersetzen. Das von Westen her flach in das Rheintal abfallende Gelände und der moderate Anstieg nach Osten hinauf in den Westerwald war somit für Julius Caesar ein idealer Ort sein römisches Heer überzusetzen.
Noch heute besteht zwischen Siegburg und Neuwied sowie zwischen Koblenz und Bingen keine Rheinbrücke. Nur im Koblenz-Neuwieder-Becken führen diese an gleich mehreren Stellen über den Strom.
Das erste Straßennetz im Westerwald
Wann der Westerwald eine erste Straße erhalten hat bleibt unklar. Bereits zur römischen Zeit gab es entlang des Limes, der grenze des römischen Reiches, zahlreiche Übergänge. Es ist nachgewiesen, dass ein reger Warenhandel zwischen den Römern und dem freien Germaien stattfand. Dies erfolgte über ausgebaute Verkehrswege.
Während der Zeit des Übergangs von der Antike in das Mittelalter entstehen im Westerwald zahlreiche Motten. Das sind kleine befestigte Anlagen, die meist aus einem zentralen Turmgebäude und einem umliegenden Wall bestehen. Diese Epoche ist in der Region bisher nur punktuell erforscht worden. Ausgrabungen auf einer frühmittelalterlichen Spornburg bei Asbach gaben einen Einblick in das damalige Leben. Gut erhaltene Schmuckfiebeln und auch Handwerkszeug zur Schmuckherstellung gaben einen Hinweis auf eine fundierte Metallverarbeitung.
Rund um den heutigen Ort Asbach finden sich auffällig viele Mottenburgen. Dies deutet auf eine frühe Siedlungsstruktur in diesem Teil des Westerwaldes hin, in der Warenhandel eine Rolle spielte.
Nur wenige Kilometer weiter wurde bei Ausgrabungen eine ausgeprägte frühmittelalterliche Eisenverhüttung zwischen Burglahr und Obersteinebach nachgewiesen, die um das Jahr 1.000 nach Christus betrieben wurde. Zahlreiche Schlackenplätze mit ähnlicher Ausdehung finden sich auch in anderen Teilen des Westerwaldes. Hierdurch lässt sich ableiten, dass auch zu Beginn des Mittelalters die Rohstoffe des Westerwaldes zu Produkten verarbeitet wurden.
Absatzmärkte boten sich zu dieser Zeit sicherlich zu genüge. Die ehemals römischen Städte am Rhein wie Köln oder Koblenz waren auch damals wichtige Handelszentren.
In diesem Kontext ist auch die Cölnische Hohe Heer- und Handelsstraße zu erwähnen. Wann diese ihren Ursprung fand, ist nicht belegt. Spätestens seit dem 9. Jahrhundert verband Sie die Städte Köln und Frankfurt und führte dabei über den Westerwald, vorbei an Siegburg, Altenkirchen, Limburg an der Lahn und Königstein im Taunus. Heute folgt die Bundesstraße 8 noch in weiten Teilen diesem Streckenverlauf.
Zahlreiche frühmittelalterliche Motten und auch spätere Burganlagen befinden sich in unmittelbarer Nähe zu dem historischen Fernweg. Warentransport und Zölle waren hierfür ausschlaggebend.
Die Napoleonische Zeit
Ende des 18. Jahrhunderts prägten die Koalitionskriege Europa. Dabei stand das revolutionäre Frankreich einem Militärbündnis aus den Monarchien in Preußen, Österreich und den Niederlanden gegenüber. Der Konflikt weitete sich 1793 unter anderem auf Großbritanien und Spanien aus.
1796 führten franzäsische Truppen unter dem Kommando des Generals Jean-Baptiste Kléber einen Feldzug im Westerwald. Die Topografie des Westerwaldes spielte erneut eine bedeutende Rolle für den Zug der Heere. Die Franzosen nutzen wieder die idealen Bedingungen bei Neuwied uns setzen hier über den Rhein. Weitere Truppen konnten bei Siegburg den Fluss passieren. Ziel waren die Städte an der Lahn und der Weg bis nach Frankfurt.
In den folgenden Jahren zogen immer wieder französische Heere über die heutige Bundesstraße 8 nach Süden und wurden mehrfach von Österreichern wieder zurückgedrängt. Dabei fanden zahlreiche Schlachten, wie die Schlacht bei Kircheib oder die Schlacht von Altenkirchen statt. Die letztgenannte findet sich sogar auf dem Arc de Triomphe in Paris.
Die vorindustrielle Epoche
Im 17. und 18. Jahrhhundert spieleten die Rohstoffe des Westerwaldes eine europaweite Bedeutung. Vor allem Eisen, Blei und Kupfer waren gefragte Metalle. Kobalterze waren beispielsweise bei der Keramikherstellung zum Färben erforderlich.
Das Eisenerz wurde oft zu Gusseisen verarbeitet. Dieses benötigte man für Kanonen, Granaten aber auch Ofen- und Takenplatten. Die manganhaltigen Erzvorkommen des Westerwaldes boten hierfür den idealen Rohstoff.
In den Flusstälern entwickelten sich zum Teil große Hüttenbetriebe, die als Antrieb für Hammerwerke und Blasebalge die Wasserkraft nutzten. Bekannte Hütten waren beispielsweise die Wendener Hütte, die Saynerhütte oder die Borscheider Hütte.
Die letztgenannte entwickelte sich Ende des 17. Jahrhhunderts zu einem bekannten Betrieb, der seine gusseisernen Produkte über den Rhein, per Schiff, nach Holland und Flandern auslieferte. Anfang des 18. jahrhunderts konnten hier Bestellungen zu je mehreren Tausend Zentnern Gussprodukten den Kunden angeboten werden. Bereits 1709 war man ind er Lage eine Bestellung von 50.000 Stück "Bomben", also Kanonenkugeln, herzustellen.
Im Westerwald bestand zu dieser Zeit nur ein unzureichend ausgebautes Wegenetz. Die scheren Rohstoffe und die nicht weniger schweren Haöbzeuge und Produkte mussten mit Vieh- und Pferdefuhrwerken transportiert werden. Der aufwendige Transport stand somt lange einem wirtschaftlichem Aufschwung der Region entgegen.
Neue Technik aus England
Mitte des 18. Jahrhunderts setzen neue effizientere Verhüttungsverfahren in England auch den Stahlmarkt im Westerwald unter Druck. Zahlreiche kleine familienbetriebene Hüttenberteiebe konnten dem Preisdruck nicht mehr Stand halten uns mussten schließen. Diese Entwicklung führte zu einer Zentralisierung der Produktion auf wenige, dafür aber wesendlich produktivere Hüttenstandorte.
Aus den einstigen Familienbetrieben wuchsen zu wahren Familiendynastien hervor. An der Lahn ist hier die Familie Grün zu nennen, die hier mehrere Hüttenstandorte betrieben.
Am Rhein entwickelte sich die Familie Remy, nicht zuletzt durch geschickt geknüpfte Familienbande, zu einer europaweit bedeutenden Hüttendynasti. Man sagte ihr später nach, dass Remy den Stahlpreis an der Börse in Rotterdam bestimmte.
Dieser gewaltige Anstieg an Produktionskapazitäten führte wiederum zu einem Bedarf an Transportmitteln. Da die Wegeverbindungen in der Region weiterhin schlecht waren, wich man auf den Transport mit dem Schiff aus. Die bereits im 16. Jahrhundert schiffbar gemachte Lahn wurde nun bis Weilburg weiter ausgebaut. Von hier aus gelangte man auf den Rhein. Es war daher naheliegend, dass die großen Hüttenwerke sich entlang der Lahn entwickelten.
Und wieder einmal war die Topografie des Westerwaldes für den Transport bedeutend. Die großen Hüttenbetriebe mussten mit Kohle versorgt werden und gleichzeitig ihre Produkte zur Weiterverarbeitung abtransportieren. Dazu bot der Rhein als ganzjährig schiffbare Verkehrsader ideale Vorausetzungen. Den besten Zugang erhielt man wieder im Koblenz-Neuwieder-Becken. Hier reihten sich gleich mehrere Hüttenwerke auf engstem Raum auf: die Bendorfer Hütte, die Sayner Hütte, die Mühlhofener Hütte, die Hermannshütte und der Rasselstein. Alle diese Hütten gehörten zur Familie Remy.
Die Industrialisierung
Die Erfindung der Dampfmaschine revolutionierte auch das Montanwesen im Westerwald. Die neue Antriebskraft konnte vielfältig eingesetzt werden und brachte in vielen Bereichen enormen Fortschritt.
Die Dampfmaschine in der Rohstoffgewinnung
In den Bergwerken des Westerwalds und Siegerlands wurden
´´Fortsetzung folgt``
Verfasser: Christoph Eul (Diskussion) 22:52, 9. Jan. 2026 (CET)